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Inspector/Polizist ( Etienne ) Javert ist ein Gefangener seiner selbst. Recht und Gerechtigkeit ineins setzend, verfolgt er erbarmungslos den Ex-Sträfling Valjean. Erst als Javert den Tod vor Augen hat, wird ihm bewusst, dass er sein Leben vertan hat.

Nur wenige wissen, dass er - wenn auch als Sohn eines Wärters - im Gefängnis geboren wurde und aufwuchs.

 

Dieser Mann mit seinem fast drohend-ernsten Gesicht war einer von jenen, die selbst auf einen flüchtigen Blick hin auffallen.

Er hieß Javert und war Polizist.

In Montreuil sur Mer versah er den peinlichen, aber nützlichen Dienst eines Inspektors. Den Anfängen von Madeleines Aufstieg hatte er nicht beigewohnt. Denn Javert verdankte seinen Posten der Protektion des Herrn Chabouillet, Sekretärs des Staatsministers Graf Anglès. Als Javert nach Montreuil sur Mer kam, hatte der Fabrikant bereits den Grundstein zu seinem Vermögen gelegt, und Vater Madeleine war schon Herr Madeleine geworden.

 

Javert war im Gefängnis geboren; seine Mutter war eine Kartenlegerin, deren Gatte damals auf den Galeeren saß. Als er herangewachsen war, begriff er, dass er gewissermaßen außerhalb der menschlichen Gesellschaft stand und niemals in sie eindringen werde. Er gewahrte, dass die Gesellschaft zwei Klassen von Menschen streng von sich fernhält, nämlich ihre Feinde und ihre Verteidiger; zwischen diesen beiden Klassen hatte er die Wahl. Zugleich aber fühlte er in sich eine Neigung zu Strenge, Regelmäßigkeit und Rechtschaffenheit, die noch durch seinen Hass gegen das Zigeunergesindel bestärkt wurde, dem er entstammte. Also wurde er Polizist. Er hatte Erfolg, und mit keinen vierzig Jahren war er Inspektor.

In seiner Jugend hatte er in den Kerkern des Südens ( Toulon) Dienst getan.

Wer ihn zum ersten-mal sah, konnte sich eines unheimlichen Gefühls nicht erwehren. Besonders nicht, wenn Javert lachte, was selten genug geschah und fürchterlich wirkte.

Den Charakter dieses Menschen bestimmten zwei höchst einfache und verhältnismäßig gute Empfindungen, die er indessen übertrieb und beinahe in schlechte verzerrte: Respekt vor der Obrigkeit und Hass gegen jede Rebellion. In seinen Augen war Diebstahl, Mord, jedes Verbrechen überhaupt nur eine Form der Rebellion.

Wer indessen ein Staatsamt bekleidete, vom Premierminister bis zum Flurhüter herab, dem hing er in einer fast blinden, tiefen Verehrung an. Dagegen empfand er die tiefste Verachtung und Abneigung gegen jedermann, der auch nur ein einziges Mal die Schwelle des Erlaubten überschritten hatte. Das war für ihn eine Regel, die keine Ausnahme zuließ.

 

Sein erstes Dogma war:

Der Beamte kann nicht irren. Die Behörde hat immer recht.

Sein zweites;

Die Verdorbenen sind unwiderruflich verloren. Von ihnen kann nichts Gutes mehr kommen.

 

 

Kurz, er war ein Anhänger jener überspitzten Denker, die dem Menschengesetz die mystische Macht zuerkennen, etwas zu bewirken, was es doch nur festzustellen vermag. Er war Stoiker, düsterer Träumer, demütig und hochmütig zuglech, wie alle Fanatiker. Sein Blick war kalt und stechend wie ein Bohrer.

 

Sein Leitspruch:

Wachen, überwachen!

 

Er war fest überzeugt von der Nützlichkeit seines Wirkens, von der religiösen Heiligkeit seiner Amtsverrichtungen, fühlte sich, obwohl er nur ein Spitzel war, als Priester. Wehe dem, der ihm in die Hände fiel!  Er hätte seinen Vater verhaftet, wenn er ihn auf der Flucht von den Galeeren ertappt, seine Mutter verraten, wenn er sie dabei erwischt hätte, wie sie sich der Polizeikontrolle zu entziehen suchte. Und er hätte es getan mit jener inneren Befriedigung, die nur die Tugend verleiht. Und dabei war er ein Mann, der seine Pflicht blutig ernst nahm, ein Mann der Selbstbescheidung, Selbstverleugnung, Zucht und Strenge. Die Fleisch gewordene Pflichtererfüllung, Polizei, wie die Spartaner sie sich gedacht hatten.

In seinen seltenen Mußestunden las er, obwohl er nicht gerade ein Freund der Bücher war; so kam es, dass er nicht jeglicher Bildung ermangelte.

Laster kannte er nicht. Wenn er mit sich selbst zufrieden war, bewilligte er sich eine Prise Tabak. Das war die einzige Schwäche, die ihn menschenähnlich machte.

Man wird unschwer begreifen, dass Javert der Schrecken aller jener Leute war, die im statistischen Jahresbericht des Justizministeriums in der Rubrik >>ohne festen Aufenthaltsort<< geführt werden.

Allein schon Javerts Name brachte sie aus der Fassung; tauchte er auf, so erstarrten sie zu Stein.

Das war der Mann. Das war Javert, der ein Auge auf Herrn Madeleine hatte, ein argwöhnisches, misstrauisches Auge.

1815, Toulon: Der Sträfling Jean Valjean, Nummer 24601, wird aus dem Zuchthaus entlassen, in dem er die letzten 19 Jahre verbracht hat, 5 Jahre wegen Diebstahl eines Brotes und den Rest wegen Fluchtversuchen. Der Polizeiinspektor Javert gibt ihm seinen gelben Pass, der ihn als Sträfling auf Bewährung verrät, und rät ihm zum Abschied, ihn niemals zu vergessen. Jean Valjean ist voller Hoffnung, nun ein neues Leben beginnen zu können, muss jedoch entdecken, was für ein Leben ihm dieser Pass verschafft: Man zahlt ihm nur die Hälfte des üblichen Lohnes, keine Herberge nimmt ihn auf.

Es offenbart eine paradoxe Situation der gegenläufig angelegten Charaktere Valjeans und Javerts. Auf der einen Seite Valjean, auf dem Papier der Sünder, der Auflagenbrecher, der unter falschem Namen lebt, moralisch aber auf der Seite des Rechts steht und im Stück durchweg als edelmutig und geläutert dargestellt wird , auf der anderen Seite steht Javert, formal Vertreter von Recht und Ordnung, aufgewachsen im Gefängnis, zerfressen vom Hass auf jene, mit denen er seine Kindheit verbringen musste - verständnislos gegenüber der Not derer, die in seinen Augen vor Gott und Gesetz gesündigt haben. Er, der nur Schwarz und Weiß kennt, offenbart uns in diesem Nebensatz (I am from the gutter too / Gitter brach mein Wiegenlicht) den eigentlichen Grund für seinen fanatischen Wahn, das geschriebene Recht zu schützen und zu befolgen. Ob es das Wort des Gesetzes ist (You broke the law!) oder das der Bibel (…so it is written on the doorway to paradise…), ihm ist es egal, es ist das schützenswerteste Gut für ihn.